Sozial- und Erziehungsberufe

Was sind unsere konkreten Forderungen und wie begründen wir sie?

Was sind unsere konkreten Forderungen und wie begründen wir sie?

Aufwertung der Sozialen Arbeit – Mehr braucht mehr!

Steigende Anforderungen, während der Druck auch auf die Soziale Arbeit nicht nur wegen der Corona-Pandemie immer weiter steigt: Die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst haben in den vergangenen Monaten einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar und wertvoll ihre Arbeit für die Gesellschaft ist.

Intensive Vorbereitungen sowie mehrere Umfragen bilden die Grundlage für die Forderungen gegenüber der VKA zur Weiterentwicklung der Regelungen in den Sozial- und Erziehungsdiensten. Die Forderungen liegen auf drei Schwerpunkten:

  1. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen

  2. Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

  3. Finanzielle Anerkennung der Arbeit

Die Forderungen im Einzelnen:

  1. Verbesserung der Eingruppierungsmerkmale, insbesondere durch
    - Eingruppierung der Tätigkeit der Kinderpfleger*in/ Sozialassistent*in in die EG S 4
    - Reguläre Eingruppierung der Erzieher*in in die EG S 8b
    - Abbildung der pädagogischen Tätigkeiten im offenen Ganztag

  2. Verbesserung der Eingruppierung der Beschäftigten im Bereich der Sozialarbeit durch Gleichstellung mit vergleichbaren Studienniveaus sowie Ausbringen neuer Merkmale für die
    Schulsozialarbeit.

  3. Schaffung weiterer Merkmale ab EG S 17 für Tätigkeiten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in der Leitungstätigkeit

  4. Anpassung der Stufenlaufzeiten an die allgemeinen Regelungen und Öffnung der Stufen 5 und 6 für alle Entgeltgruppen im Sozial- und Erziehungsdienst

  5. Anpassung der Eingruppierung der Kita-Leitungen an die vorhandenen Anforderungen

  6. Stellvertretende Leitungen verbindlich vorsehen und Festlegung der Mindesteingruppierung in die EG S 11a

  7. Anpassung der Bedingungen, vor allem unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen durch das Bundesteilhabegesetz durch z. B.
    - Aufnahme der Berufsbezeichnungen Arbeitserzieher*in, geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung (gFAB) und der Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung mit Sonderpädagogischer Zusatzausbildung (FAB mit SPZ).
    - Eingruppierung der Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung und pädagogischer Qualifikation in die EG S 8b.
    - Bessere Bewertung der Tätigkeit Beschäftigten im handwerklichen Erziehungsdienst durch Eingruppierung in die EG S7
    - Berücksichtigung der Tätigkeit der Schulassistenz / Schulbegleitung sowie weiterer Assistenztätigkeiten und Eingruppierung entsprechend des Anforderungsprofils
    - Umbenennung der monatlichen Heimzulage in eine Zulage Wohnen und Erhöhung auf 150,00 Euro
    - Regelungen zur Vergütung während der Ausbildung zur Heilerziehungspflege (HEP)

  8. Rechtsanspruch auf Qualifizierung für alle Beschäftigten z. B. von Kinderpfleger*innen und Sozialassistent*innen zu Erzieher*innen

  9. Qualität der Arbeit verbessern und Entlastung der Beschäftigten erreichen durch:
    - Ausdehnung der Vorbereitungszeit, um mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit zu haben
    - Einführung von Entlastungstagen durch ein Konsequenzenmanagement

  10. Anerkennung der Berufstätigkeit und der bei anderen Trägern erworbenen Berufserfahrung

  11. Qualifizierung und angemessene Vergütung für Praxisanleitung sowie die Ausstattung mit Zeitkontingenten

 

Erläuterungen zu unseren Forderungen

  • Verbesserungen der Arbeitsbedingungen (Forderung Nr. 9)

    Gefordert werden Verbesserungen durch tarifvertraglich festgelegte Anspruchs- und Planungsregelungen von Arbeitszeit für die sogenannte fallunspezifische Arbeit, für Vor- und Nachbereitung, Arbeit im Sozialraum (Netzwerkbildung), Dokumentation usw. sowie die Einführung von Entlastungstagen durch ein Konsequenzenmanagement.

    Für Planung, Vorbereitung, Entwicklungsdokumentation und Elterngespräche steht nur jeder zweiten Fachkraft laut Dienstplan Zeit zur Verfügung. In der Praxis wenden nach dem Kita Personalcheck (s.u.) die Fachkräfte jedoch mehrheitlich bis zu einer Stunde für die konkrete Vor- und Nachbereitung auf (50,2 Prozent der Befragten) sowie bis zu einer Stunde pro Tag für Elterngespräche (71,2 Prozent der Befragten). Dies führt zu unbezahlter Mehrarbeit oder geht zu Lasten der Interaktion mit den Kindern.

    Die Beschäftigten erleben dies als eine Missachtung ihrer Herausforderungen und ihrer Ansprüche an gute Soziale Arbeit. Die Einführung von Zeitkontingenten für mittelbare pädagogische Arbeit könnte daher bewirken, dass sie eine Aufwertung der Bedeutung ihrer Arbeit wahrnehmen und es gleichzeitig zu einer Entlastung kommt.

  • Maßnahmen gegen Fachkräftemangel (Forderungen 8, 10, 11 und 7 (letzter Spiegelstrich))

    Ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung für alle Beschäftigten soll ermöglichen, dass Beschäftigte ohne Ausbildung oder mit ein- oder zweijähriger Ausbildung einen Berufsabschluss zur Fachkraft erwerben können, zum Beispiel von der Kinderpflegerin oder Sozialassistent*in zur Erzieher*in. Im Zusammenhang mit dem flächendeckend bestehenden Fachkräftemangel und dem zunehmenden Einsatz von Personal mit geringerem Qualifikationsniveau als Erzieher*innen, muss es Festlegungen geben, die verhindern, dass es eine „preiswerte“ Lösung des Personalproblems und eine Herabwürdigung des Bildungsauftrages gibt.

    Für Anleiter*innen von Auszubildenden und Studierenden wird Qualifizierung, ein festes Stundenkontingent und eine verbesserte Vergütung gefordert. Die Ausbildung von Nachwuchskräften hat in der heutigen Zeit einen theoretisch hohen Stellenwert, der sich jedoch in der Praxis oft nicht wiederfindet. Ausbildung findet häufig „nebenbei“ statt, die Praxisanleitungen stehlen sich die Zeit für die Auszubildenden.

    Berufstätigkeit und die bei anderen Trägern erworbene Berufserfahrung muss anerkannt werden. Bei der Einstellung werden die Beschäftigten der Stufe 1 zugeordnet. Eine Anerkennung ist nur eingeschränkt bei einschlägiger Berufserfahrung möglich. Diese Regelung ist angesichts zunehmender Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften nicht mehr zeitgemäß. Alle einschlägigen Berufserfahrungszeiten, egal bei welchem Arbeitgeber sie angeeignet wurden, müssen angerechnet werden.

    Die praxisintegrierte Ausbildung zur Heilerziehungspflege ist derzeit eine Fachschulausbildung ohne Vergütung. Für sie muss es einen Anspruch auf Ausbildungsvergütung analog der Regelung zur Ausbildung bei Erzieher*innen geben.

  • Finanzielle Anerkennung der Arbeit (Forderungen 1 bis 7)
    Kinderpfleger*innen/Sozialassistent*innen und Erzieher*innen

    Vielfach werden von Kinderpfleger*innen und Sozialassistent*innen Tätigkeiten wahrgenommen, die denen einer Erzieher*in mit staatlicher Anerkennung entsprechen. Ihre Tätigkeit muss aufgewertet und generell eine Eingruppierung in die Entgeltgruppe S 4 erreicht werden.

    Die Regeltätigkeit von Erzieher*innen ist deutlich anspruchsvoller, als die bisherige Bewertung für die Eingruppierung dies vorsieht. Zu den aktuellen Herausforderungen, die für die Bewertung berücksichtigt werden müssen, zählen unter anderem inklusive Arbeit, Anleitungs- bzw. Mentor* innen-Funktion für Lernende und Zusammenarbeit mir geringer oder anders qualifiziertem Personal, Koordinationsaufgaben, Sprachförderung. Daher wird die reguläre Eingruppierung von Erzieher*innen in die Entgeltgruppe S 8b gefordert.

    Die Organisationsmodelle der Arbeit im Ganztag sind zwischen und auch innerhalb von Bundesländern sehr heterogen, entsprechend unterscheiden sich die Eingruppierungen. Notwendig ist die Definition von bundeseinheitlichen Kriterien für die Tätigkeiten und Hierarchien.

  • Sozialarbeit

    Für die schwierige und verantwortungsvolle Tätigkeit von Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog* innen und vergleichbare Berufsgruppen wird eine Verbesserung der Eingruppierung durch Gleichstellung mit vergleichbaren Studienniveaus gefordert. Die Anforderungen sind in einer ganzen Reihe von Arbeitsfeldern gestiegen, dazu zählen zum Beispiel eine steigende Kinderarmut, Inklusion, Migration, Kindeswohl und Kinderschutz, Fachkräftemangel (die reale Personalsituation und der formale Personalschlüssel klaffen um mindestens 30 Prozent auseinander), Digitalisierung. Mit der Gleichstellung mit vergleichbaren Studienniveaus ist eine Eingruppierung vergleichbar der von Ingenieur*innen gemeint. Für Sozialarbeiter*innen mit Hochschulabschluss würde dies eine Eingruppierung bedeuten, die der Entgeltgruppe 10 in der allgemeinen Tabelle entspricht.

  • Weitere Merkmale oberhalb der Entgeltgruppe S 17

    Bisher gibt es in den Entgeltgruppen S 17 und S 18 nur Merkmale für Leitungstätigkeiten, ständige Vertretungen von Leitungen und Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen mit staatlicher Anerkennung sowie Heilpädagog*innen mit abgeschlossener Hochschulbildung, deren Tätigkeit sich durch besondere Schwierigkeit und Bedeutung aus der Entgeltgruppe S 12 heraushebt. Den gestiegenen Anforderungen und damit verbundenen anspruchsvolleren Tätigkeiten in bestimmten Bereichen wird diese Zuordnung nicht gerecht. Auch die wissenschaftliche Hochschulbildung (hier: Master) bildet sich in der Eingruppierung nicht angemessen ab. Die Entgeltordnung ist daher um weitere Merkmale zu ergänzen.

  • Anpassung der Stufenlaufzeiten

    Anders als bei den Stufenlaufzeiten bei den allgemeinen Entgeltgruppen im TVöD sind die Stufenlaufzeiten im Bereich SuE teilweise länger, so in der Stufe 2 drei statt zwei Jahre oder in der Stufe 3 vier statt drei Jahre. Die besonderen Stufenregelungen sind in den Tarifrunden 2009 und 2015 aus kompensatorischen Gesichtspunkten eingeführt worden, die Gründe sind zwischenzeitlich überholt. Gefordert wird die Verkürzung der Stufenlaufzeiten auf die Stufenlaufzeiten, die auch für die allgemeinen Entgeltgruppen gelten.

  • Leiter*innen und stellvertretende Leiter*innen in Kitas

    Der U3 Ausbau sowie die inklusive Arbeit verändern das Gefüge in den Einrichtungen. Wegen der niedrigeren Personalschlüssel im U3 Bereich sind Leiter*innen bei gleich großem Personalkörper für Einrichtungen mit deutlich geringeren Kinderzahlen zuständig und entsprechend niedriger eingruppiert. Die Anpassung der Eingruppierung der Kita-Leitung an die vorhandenen Anforderungen soll mittels Faktorisierung erfolgen. Bezogen auf die länderspezifischen Personalschlüssel soll je nach Altersgruppe ein spezifischer Faktor in Ansatz gebracht werden: Der Faktor 2,5 für 0 bis 3-jährige Kinder, der Faktor 1 für 3 bis 6-Jährige und der Faktor 4,5 für Integrationskinder. Die Benennung von stellvertretenden Leiter*innen wird bisher unterschiedlich gehandhabt. Während in den großen Städten bzw. bei großen Trägern die Benennung weitgehend vorgenommen wurde, bestehen noch Defizite bei kleineren Trägern und in einigen Ländern im ländlichen Raum. Stellvertretende Leiter*innen sollen künftig verbindlich vorgesehen werden und mindestens in die Entgeltgruppe S 11a eingruppiert werden.

  • Behindertenhilfe

    In der Behindertenhilfe sind vor allem Anpassungen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) erforderlich.

    Die Berufsbezeichnungen der Arbeitserzieher*in, geprüften Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung (gFAB) und der Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung mit Sozialpädagogischer Zusatzausbildung (FAB mit SPZ) sind in der Entgeltordnung aktuell nicht aufgeführt. Dadurch sind in der Vergangenheit Probleme bei der Eingruppierung entstanden. Gefordert wird die Gleichstellung mit Erzieher*innen mit schwierigen Tätigkeiten.

    Für Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung und pädagogischer Qualifikation wird die Eingruppierung in Entgeltgruppe S 8b gefordert. Gruppenleiter*innen und Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung sind im Arbeits- und Berufsbildungsbereich in Abhängigkeit von der Größe der Gruppe in der Regel alleine oder zu zweit für eine Gruppe von Werkstattbeschäftigten zuständig.

    Beschäftigte im handwerklichen Erziehungsdienst sollen in Entgeltgruppe S 7 eingruppiert werden. Sie verfügen über eine dreijährige handwerkliche Ausbildung und verrichten eine fachlich schwierige Tätigkeit. Auch ohne pädagogische Zusatzausbildung werden an sie im Umgang mit der Klientel pädagogische Anforderungen gestellt.

    Die Tätigkeit der Schulassistenz ist im Zuge der Inklusion (BTHG) ein neues, wachsendes Berufsfeld, in dem in Abhängigkeit von den Anforderungen des Kindes sowohl Fachkräfte als auch Laienkräfte beschäftigt sind. In den Bundesländern existieren unterschiedliche Begrifflichkeiten wie Schulassistenz, Integrationshelfer*in und Schulbegleitung für dieses Feld, in dem etwa 60.000 Menschen beschäftigt sind, davon etwa zwei Drittel in Teilzeit. Die Eingruppierung der Schulassistenz muss entsprechend des geforderten Anforderungsprofils erfolgen.

    Die sogenannte Heimzulage wird für die Tätigkeit in einem Erziehungsheim, einem Kinder- oder Jugendwohnheim oder einer vergleichbaren Einrichtung gewährt, wenn in dem Heim überwiegend behinderte Menschen oder Kinder und Jugendliche mit wesentlichen Erziehungsschwierigkeiten untergebracht sind und beträgt zurzeit abhängig von der Eingruppierung monatlich zwischen 40 und 60 Euro. Im BTHG wird seit Januar 2020 nicht mehr zwischen ambulanten und stationären Leistungen unterschieden. Bei gemeinschaftlichen Wohnformen geht der Trend zu kleineren Wohneinheiten und das Wunsch- und Wahlrecht der Bewohner*innen wird gestärkt. Damit gewinnt die „Ambulantisierung“ in der Behindertenhilfe weiter an Dynamik. Gefordert wird daher eine Ausweitung der Heimzulage auf den gesamten Wohnbereich und eine Erhöhung auf 150 Euro.

SuE_SharePic_01
© ver.di