Sozial- und Erziehungsberufe

Behindertenhilfe

Behindertenhilfe

Ich arbeite seit 25 Jahren in einer Werkstatt als Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung und habe seinerzeit die Weiterbildung zur Sonderpädagogischen Zusatzqualifikation (SPZ) gemacht. Bekomme ich nun tatsächlich weniger Geld als mein neu eingestellter Kollege, der eine Weiterbildung zur geprüften Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung (gFAB) abgeschlossen hat?
Ja, das ist korrekt. Die Gruppenleitungen mit SPZ sowie die Arbeitserzieher*innen verbleiben in der S7 und die Gruppenleitungen mit Meister verbleiben in der S8b. Die Gruppenleitungen mit gFAB werden hingegen ab in Kraft treten des Tarifvertrags am 1. Juli 2022 von der S7 in die S8a höhergruppiert. Eine Verbesserung konnte also nur für diese Gruppe erreicht werden. Sie gilt für Gruppenleiter*innen in Ausbildungs- oder Berufsförderungswerkstätten oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Leider haben wir unser Ziel einer Höhergruppierung aller Gruppenleitungen in die S8b nicht durchsetzen können. Dennoch ist dies ein weiterer Schritt in Richtung Aufwertung der Gruppenleitungen, nachdem wir bereits 2015 erreichen konnten, dass die Gruppenleitungen ohne Meisterqualifikation von der S5 in die S7 höhergruppiert werden. Wir halten dieses Ergebnis aber nicht für zufriedenstellend, schließlich arbeiten die Beschäftigten auf den gleichen Stellen, ihre Tätigkeiten unterscheiden sich nicht und sie alle verfügen über eine pädagogische Weiterbildung. Zudem hatten gerade ältere Kolleg*innen gar keine Möglichkeit, die gFAB zu erwerben, weil diese erst 2001 eingeführt wurde und a uch heute in der Regel der Arbeitgeber entscheidet, ob die/der Beschäftigte die SPZ oder die gFAB als Weiterbildung finanziert bekommt. In den Verhandlungen haben wir das immer wieder deutlich gemacht, die Arbeitgeber sahen hier aber keinen Handlungsbedarf. Das Thema muss nun in der betrieblichen und politischen Diskussion vor Ort weiter aufgegriffen werden und wird auch in der nächsten Tarifrunde für die Eingruppierungsvorschriften im Sozial- und Erziehungsdienst wieder eine Rolle spielen.

Ist in Zukunft für Gruppenleitungen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) eine abgeschlossene pädagogische Weiterbildung Bedingung für eine Eingruppierung oberhalb der S4?
Grundsätzlich ja, weil die Werkstättenverordnung eine solche fordert. Allerdings ist in der Praxis häufig so verfahren worden, dass es ausgereicht hat, dass eine Fachkraft in angemessener Zeit die sonderpädagogische Zusatzqualifikation erwirbt bzw. erwerben konnte.  Es war nicht die Intention mit der Einigung, hier die gängige Praxis zu ändern und Gruppenleitungen, die berufsbegleitend die Weiterbildung absolvieren, schlechter zu stellen. ver.di wird dieses Thema in den Redaktionsverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in den nächsten Monaten aufgreifen.

Konnte für Beschäftigte in der Schulassistenz und Persönlichen Assistenz eine angemessene Eingruppierung erreicht werden?Leider konnten wir uns hier zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchsetzen. Die Arbeitgeberseite hat sich aber zu weiteren Gesprächen bereit erklärt. So konnten wir vereinbaren, dass Fragen zur Eingruppierung der Schulassistenz (bzw. Schulbegleitung, Integrationshelfer*innen etc.) und zur Persönlichen Assistenz in Gesprächen zur Tarifpflege vor 2026 erörtert werden. Bis dahin wollen wir als ver.di die prekären Arbeitsbedingungen in diesen wichtigen Arbeitsfeldern politisch thematisieren und hier gemeinsam stärker werden.

Worin besteht der Unterschied zwischen Heim- und Wohnzulage?
Die Wohnzulage entspricht weitgehend der alten Heimzulage, allerdings ist der Kreis der anspruchsberechtigten Beschäftigten ausgeweitet worden. So erhalten die Wohnzulage nun auch Beschäftigte, die in gemeinschaftlichen ambulanten Wohnformen arbeiten und Beschäftigte in der ambulanten Einzelbetreuung, wenn bei der Einzelbetreuung eine durchgehende Präsenz erforderlich ist. Das ist in der Behindertenhilfe aufgrund des Trends zur Umwandlung von stationären in ambulante Wohnformen ein wichtiger Erfolg. Zudem wurde die Heimzulage von 61,36 Euro auf 100 Euro erhöht.