Sozial- und Erziehungsberufe

Kita: Neue FAQ´s zum Arbeiten unter den Bedingungen von Corona

Kita: Neue FAQ´s zum Arbeiten unter den Bedingungen von Corona

Mai 2020. Bundesweit werden die Kindertagesstätten und auch die Schulsozialarbeit wieder hochgefahren. Für die Beschäftigten ist das mit vielen Fragen verbunden, wie in den Einrichtungen der Arbeits- und Gesundheitsschutz sichergestellt werden kann. Die Verantwortung für die weitere Eindämmung der Pandemie liegt bei den Ländern. Der Fachkräftemangel war schon vor Corona massiv. Nun sollen auch Beschäftigte aus Risikogruppen wieder in die Einrichtungen kommen. Wie könnt ihr euch schützen und wie kann der Anspruch der Kinder auf frühkindliche Bildung sichergestellt werden? Mit diesen FAQs geben wir euch eine Hilfestellung für die Praxis.

 

Bundes-Ebene

 

  • Wer entscheidet darüber, wie die Kita in Zeiten der Corona- Pandemie betrieben wird?

    Zeitliche Entwicklung: Zu Beginn der Corona-Krise hat die Bundesregierung Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie definiert. In der ersten Phase war das oberste Ziel, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, damit für alle Infizierten eine gute medizinische Versorgung gewährleistet ist. Diesem Ziel sind alle Maßnahmen untergeordnet gewesen. Seit Anfang Mai geht es nun im zweiten Schritt darum, die Wirtschaft und das soziale Leben stufenweise wieder hochzufahren.

    Die zuständigen Ministerien auf Bundesebene haben spezifische Regelungen für ihre jeweiligen Zuständigkeitsbereiche erlassen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales legte unter anderem die Regelungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz fest. Für die Zeit der Pandemie wurden dazu spezielle Regelungen erlassen, die größtenteils im Hinblick auf den Gesundheits- und Infektionsschutz noch Gültigkeit haben.

    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat gemeinsam mit den Länderministerien die Rahmenreglungen für die Kindertageseinrichtungen erarbeitet. Für die Ausweitung des Kita-Betriebes hat sich die Bund-Länder-AG auf einen Stufenplan geeinigt. Dieser wurde durch die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) am 28. April 2020 beschlossen. Nach den Bund-Länder-Gesprächen am 6. Mai 2020 gibt es inzwischen flächendeckend neue Regelungen in den Bundesländern zur Ausweitung der Betreuungsregelungen in den Kitas. Die Bundesregierung hat nun die Verantwortung für die Ausweitung der Betreuungsangebote in den Kitas vollständig in die Verantwortung der Länder gelegt.

    Alle Bundesländer haben inzwischen Regelungen zur stufenweisen Erweiterung der Kinderbetreuung beschlossen. Die Länder sind jetzt gefordert, Umsetzungsvorschriften zu erlassen. Sie müssen die Mindestnormen (Anspruchsberechtigte für die Betreuung, maximale Gruppengrößen/ Personalisierung, praktischer Infektionsschutz, Verfolgbarkeit von Infektionsketten, Hygiene) und Empfehlungen für die pädagogische Arbeit enthalten. Nur so kann ein einheitliches Vorgehen und eine Absicherung der Träger und Leitungskräfte sichergestellt werden. Das ist inzwischen in allen Bundesländern geschehen.

    Der jeweilige Träger ist für die Umsetzung der rechtlichen Grundlagen verantwortlich. Er muss die praktischen Möglichkeiten vor Ort mit den Vorgaben abgleichen und die pädagogische Arbeit sowie die Einhaltung des Gesundheitsschutzes sicherstellen. Dazu zählt insbesondere die Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der aktuellen Anforderungen und die dementsprechende Kapazitäts- und Arbeitsplanung.

    Die Kita-Leitung ist für die Organisation der Arbeit im Betrieb und den Einsatz der Beschäftigten zuständig. Die Kita-Leitung kann nicht die Verantwortung des Trägers übernehmen und beispielsweise den Anspruchsberechtigten ungeachtet der eigenen Kapazitäten ein Angebot machen. 

  • Welche Rahmenregelungen bestehen auf Bundesebene?

    Die zentrale Rahmensetzung hat sich aus dem Beschluss der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder vom 15. April 2020 ergeben. Seit dem 6. Mai 2020 ist der Infektionsschutz in die Verantwortung der Länder und Landkreise gelegt worden (siehe unten).

    Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat darüber hinaus am 16. April 2020 den SARS-COV-2-Arbeitsschutzstandard veröffentlicht, der verbindliche Vorschriften für den Arbeitsschutz enthält. Darin findet sich unter anderem der Grundsatz, dass Mund-Nasen-Bedeckungen grundsätzlich zu tragen sind, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

    Am 29. April 2020 haben sich die zuständigen Ministerien der Länder gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf einen Stufenplan zur Erweiterung der Betreuungsleistungen verständigt.

    Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am 23. April 2020 das Bulletin „Wiedereröffnung von Bildungseinrichtungen – Überlegungen, Entscheidungsgrundlagen und Voraussetzungen“ veröffentlicht, dem weitere Hinweise zu entnehmen sind.

    Am 06. Mai 2020 hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ministerpräsidenten neue Regelungen beschlossen. Im Kern sind für den Bereich der Kitas folgende Punkte festzuhalten:

    • Es ist in Deutschland gelungen, die Zahl der täglichen Neuinfektionen durch einschneidende Beschränkungen wieder deutlich zu reduzieren. Die Zahl der Neuinfektionen ist auch seit den schrittweisen ersten Öffnungsmaßnahmen ab dem 20. April niedrig geblieben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine erneut einsetzende Infektionsdynamik erkennbar. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Bürgerinnen und Bürger mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortung das Kontaktverbot sowie die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten haben.
    • Deshalb gehen Bund und Länder jetzt einen erheblichen weiteren Öffnungsschritt. Insbesondere um die Bildungschancen von jungen Menschen zu wahren, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen und die freiheitseinschränkenden Maßnahmen für die Bürgerinnen und Bürger auf das unbedingt Notwendige zu reduzieren.
    • Die Länder werden sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept unter Einbeziehung der zuständigenLandesbehörden umgesetzt wird.
    • Die Kinderbetreuung wird durch eine flexible und stufenweise Erweiterung der Notbetreuung spätestens ab dem 11. Mai in allen Bundesländern eingeführt. Dies hat die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) am 27. April 2020 beschlossen. Dabei wird sichergestellt, dass jedes Kita-Kind, das dieses Jahr mit der Schule beginnt, die Kita vor Beginn der Sommerferien noch einmal besuchen kann. Die Einzelheiten regeln die Länder. 

 

Länder-Ebene

 

  • Was liegt in der Verantwortung der Länder?

    Am 27. April 2020 haben sich die zuständigen Ministerien der Länder gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf einen Stufenplan zur Erweiterung des Kita-Angebots während der Corona-Pandemie verständigt.

    Auf Landesebene sollten Vorgaben geschaffen werden, welche für alle Träger verbindliche Mindeststandards regeln. Dazu zählen insbesondere:

    • klare Kriterien für die Anspruchsberechtigung unter Berücksichtigung der Kapazitätsmöglichkeiten der Träger,
    • Standards für Hygiene und Infektionsschutz,
    • Empfehlungen für die pädagogische Arbeit,
    • Mindeststandards für die Personalausstattung und die Gruppengröße,
    • Einsatz von Beschäftigten, die einer Risikogruppe angehören,
    • Bildung von Krisenstäben vor Ort und auf Trägerebene
    • Absicherung der betrieblichen Mitbestimmung

    Des Weiteren sind die Länder aufgerufen, gute Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen zu entwickeln. Die wesentlichen Akteur*innen, wie Trägervertreter*innen, Elternvertretungen und die Vertretung der Beschäftigten sind daran systematisch zu beteiligen.

  • Was müssen die Bundesländer jetzt konkret tun, um die Beschäftigten zu schützen?

    In den Veröffentlichungen von Bund und Ländern wird zutreffend auf das unterschiedliche Infektionsgeschehen in den Ländern verwiesen. Damit werden die Handlungsspielräume auf Landesebene begründet. Diese müssen jedoch einen klaren Bezug zu den Vorgaben des Infektionsschutzes erkennen lassen.

    Ein Blick nach Sachsen, wo alle Betreuungsansprüche im ersten Schritt wieder in Kraft gesetzt wurden, macht deutlich, dass dies nicht gesichert ist.

    Wichtig ist:
    Nur wenn ausreichend pädagogisches Fachpersonal zur Verfügung steht und die Beschäftigten und Kinder wirksam geschützt werden, kann die Erweiterung des Kita- Angebots gelingen. In den Kitas arbeiten viele Kolleg*innen aus Risikogruppen. Das muss berücksichtigt werden.

    Die Gesundheitsämter der Bundesländer sind verantwortlich für die Einhaltung und Umsetzung der Hygienevorschriften in den Betrieben. Dazu gehört die Hygieneüberwachung von Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Kindergärten, Altenheimen etc.), sowie die Kontrolle von angeordneten Maßnahmen (zum Beispiel die Abgabe von Proben). Diese Aufgaben werden in der Regel von Hygienekontrolleur*innen wahrgenommen. Jede*r Beschäftigte hat das Recht, sich an das zuständige Gesundheitsamt zu wenden. Bei Kenntnis von groben Verstößen gegen Hygienevorschriften besteht sogar die Pflicht, diese Vorfälle zu melden.

    Angesichts der gegenwärtigen Situation fordert ver.di regelmäßige Testmöglichkeiten für Beschäftigte und Kinder. Dabei sollen nicht nur Virentests, sondern besonders auch Antikörper-Tests durchgeführt werden. Das muss über die Bundesländer finanziert und umgesetzt werden.

    Eine weitere konkrete Schutzmaßnahme wären Regelungen, die den Zugang zu den Einrichtungen begrenzen. Darüber hinaus sollten aus Landesmitteln Schutzkleidung, Fiebermessungen und Desinfektionsmittel bereit gestellt werden.

 

Träger-Ebene

 

  • Was fällt in die Verantwortung der Träger von Kindertageseinrichtungen?

    Der Träger ist im Rahmen seiner Fürsorgepflicht verantwortlich für die Beschäftigten und im Rahmen des Betreuungsvertrages für die ihm anvertrauten Kinder.

    Der Arbeitgeber hat eine unabdingbare Fürsorgepflicht zum Schutz für Leben und Gesundheit seiner Beschäftigten (§§ 617 – 619 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB). Konkretisiert wird dies durch weitere Gesetze und Schutzvorschriften, zentral ist hier das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). In § 4 heißt es dort: „Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst geringgehalten wird.“

    In diesem Zusammenhang besteht die rechtliche Verpflichtung für alle Einrichtungen, Gefährdungsbeurteilungen als Grundlage der weiteren Arbeitsplanung durchzuführen. Die Träger müssen der Kommune, bzw. dem Land, die sich daraus ergebenden Kapazitäten und Möglichkeiten melden. So kann der Umfang der Erweiterungsschritte realistisch geplant werden.

  • Wie sollte der Träger die Kita-Arbeit in der Krise organisieren?

    Auf Ebene des Trägers und der Einrichtungen sind Krisenstäbe zu bilden. Diese können zum Beispiel aus Vertreter*innen des Trägers, Leitungskräften, der betrieblichen Interessenvertretung, Elternvertreter*innen und/ oder Betriebsärzt*innen bestehen. Unter Beachtung der Maßgaben des Infektions- und Gesundheitsschutzes bereitet der Krisenstab die Schritte zur Ausweitung des Angebotes vor und schafft die notwendigen Rahmenbedingungen.

    Kommt es trotz begleitender Maßnahmen zu Infektionen, muss in enger Abstimmung mit den zuständigen örtlichen Gesundheitsbehörden, eine zeitweise (gegebenenfalls partielle) Schließung der Einrichtung erfolgen. Auch die dann (gegebenenfalls erneut schrittweise) Wiederöffnung ist mit dem Krisenstab zu planen und abzustimmen.

  • Welche konkreten Grundsätze und Maßnahmen sind durch den Träger zu berücksichtigen?

    Beschäftigte und Kinder dürfen nicht gefährdet werden. Die Übertragung von COVID-19 ist einzudämmen.

    Es gelten zwei klare Grundsätze:

    • Unabhängig vom Betrieblichen Maßnahmenkonzept sollen in Zweifelsfällen, bei denen der Mindestabstand nicht sicher eingehalten werden kann, Mund-Nasen-Bedeckungen zur Verfügung gestellt und getragen werden.
    • Personen mit Atemwegssymptomen (sofern nicht vom Arzt z.B. abgeklärte Erkältung) oder Fieber sollen sich generell nicht auf dem Betriebsgelände aufhalten.

    Wir empfehlen kontaktlose Fiebermessungen der Beschäftigten vor Arbeitsbeginn. Auch sind in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt Regelungen für Kinder und Beschäftigte zu treffen, die Krankheitssymptome zeigen bzw. in den letzten 14 Tagen Kontakt mit einem bestätigten Covid-19- Fall hatten. Des Weiteren müssen Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst vorrangig und regelmäßig getestet werden, solange es noch keine ausreichenden Testkapazitäten für alle gibt. Für Sammelunterkünfte hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) klare Kriterien benannt. Diese gelten auch für andere Betriebe, in denen Menschen im engen Kontakt miteinander sind:

    • Es soll in möglichst kleinen, festen Teams zusammengearbeitet werden.
    • Gemeinschaftseinrichtungen (Sanitärräume, Küchen,Gemeinschaftsräume) sollen schichtweise genutzt und zwischendurch gereinigt werden.
    • Räume sind regelmäßig und häufig zu lüften und zu reinigen. Für Küchen sind Geschirrspüler vorzusehen, da die Desinfektion des Geschirrs Temperaturen über 60°C erfordert.
    • Ebenso sind Waschmaschinen zur Verfügung zu stellen oder ist ein regelmäßiger Wäschedienst zu organisieren

    Die Regelungen des BMAS sehen weiterhin vor:

    • Büroarbeiten sind nach Möglichkeit im Homeoffice auszuführen. Insbesondere, wenn Büroräume von mehreren Personen mit zu geringen Schutzabständen genutzt werden müssen.
    • Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen wie Besprechungen sollten auf das absolute Minimum reduziert werden. Soweit wie möglich sollten technische Alternativen wie Telefon- oder Videokonferenzen zur Verfügung gestellt werden. Sind Präsenzveranstaltungen unbedingt notwendig, muss ausreichender Abstand zwischen den Teilnehmern gegeben sein.

    Dies sind klare Aussagen des BMAS, die sich auch auf die Kitas übertragen lassen.

    Im Eingangsbereich der Kita sollte eine Begrüßungs- und Verabschiedungszone für Eltern eingerichtet werden, damit Eltern die Kita nicht betreten. Besucher*innen (wie z. B. Journalist*innen, Politiker*innen) sollen die Kita ebenfalls nicht mehr betreten. Anfragen können telefonisch oder per Mail beantworten werden. Das gleiche gilt für Lieferant*innen, die ihre Waren vor der Eingangstür abstellen sollten.

  • Warum sollte der Träger einen Krisenstab einsetzen?

    Die Einrichtung einer „Corona-Kommission“ als Krisenstab ist wichtig, um alle Perspektiven und Interessen zu berücksichtigen. Dieser Krisenstab sollte sich aus Vertreter*innen des Trägers, Leitungskräften, Vertreter*innen der Beschäftigten, Elternvertreter*innen und, wo vorhanden, Betriebsärzt*innen zusammensetzen. Unter Beachtung der Maßgaben des Infektions- und Gesundheitsschutzes diskutiert der Krisenstab die Schritte zur Ausweitung des Angebotes und ihrer notwendigen Rahmenbedingungen.

    Kommt es trotz begleitender Maßnahmen zu Infektionen, muss in enger Abstimmung mit den zuständigen örtlichen Gesundheitsbehörden, eine zeitweise (gegebenenfalls partielle) Schließung der Einrichtung erfolgen. Auch die dann (gegebenenfalls erneut schrittweise) Wiederöffnung ist mit dem Krisenstab zu planen und abzustimmen.

  • Was kann ich als Beschäftigte*r tun?

    Anders als in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens (z.B. im Einzelhandel) kann der Mindestabstand im Kita-Alltag nicht eingehalten werden. Auch das permanente Tragen von Schutzausrüstung ist für die Beteiligten kaum realisierbar. Die Beschäftigten sind also einem erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt. Dem muss Rechnung getragen werden. In einem Positionspapier an die Verantwortlichen beim Bund und in den Ländern haben wir entsprechende Maßnahmen gefordert. Genauso wichtig ist es, dass die Beschäftigten selbst aktiv werden. Als erste Maßnahme empfehlen wir die Erstattung einer Gefährdungsanzeige. Dazu haben wir eine Vorlage erarbeitet, die auf unserer Kampagnenseite verfügbar ist. Eine solche Gefährdungsanzeige hat die Funktion, dem Arbeitgeber deutlich zu machen, dass eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden muss. Da eine Gefährdungsbeurteilung sich an gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren muss, sind Maßnahmen wie reduzierte Gruppengrößen oder die Schaffung gesundheitsgerechter Arbeitsplätze – zumindest theoretisch – unausweichlich.

    Wenn sich daraufhin nichts ändert müssen die Beschäftigten im solidarischen Miteinander aktiv werden. Tauscht euch untereinander aus, setzt euch mit unseren Forderungen und euren realen Bedingungen auseinander und macht den Verantwortungsträgern gegenüber deutlich, dass die realen Bedingungen bei der Öffnung berücksichtigt werden MÜSSEN.

    Wenn der Arbeitgeber seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und Situationen entstehen und andauern, in denen erhebliche Gefährdungen bestehen, haben Beschäftigte ein sogenanntes Leistungsverweigerungsrecht. Dieser Schritt muss jedoch sorgfältig geprüft werden. Auf den FAQs-Internetseiten des Bundesarbeitsministeriums finden sich wichtige Hinweise und die ver.di Rechtsberatung bietet Unterstützung. 

  • Wer gehört zu den sogenannten Risikogruppen und sollte nicht in der Kita eingesetzt werden?

    Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt dazu:

    • Das Risiko eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufs steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken (Immunseneszenz). Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen.
    • Auch verschiedene Grunderkrankungen wie z.B. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen scheinen unabhängig vom Alter das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen.
    • Bei älteren Menschen mit vorbestehenden Grunderkrankungen ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf höher als wenn nur ein Faktor (Alter oder Grunderkrankung) vorliegt. Wenn mehrere Grunderkrankungen vorliegen (Multimorbidität) dürfte das Risiko höher sein als bei nur einer Grunderkrankung.
    • Für Patienten mit unterdrücktem Immunsystem (z.B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder wegen Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken, wie z.B. Cortison) besteht ein höheres Risiko.
    • Welche Kombination von Risikofaktoren mit weiteren (Lebens-) Umständen ein besonders hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Covid- 19 darstellen, ist noch nicht hinreichend bekannt. 
  • Was ist für die Kolleg*innen der Risikogruppe zu beachten?

    Für Kolleg*innen, die sich einer vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Risikogruppen zugehörig fühlen und für die betriebliche Interessenvertretung, die bei der Ausgestaltung der Öffnung beteiligt ist, gilt Folgendes:

    Das Arbeitsschutzrecht sieht vor, dass „besonders gefährdete Risikogruppen generell gegen die sie speziell bedrohenden Gefahren geschützt werden (müssen)“.

    Darum muss zuallererst festgestellt werden, wer zur Risikogruppe zu zählen ist. Diese Aufgabe sollte innerbetrieblich vom Betriebsarzt wahrgenommen werden. Alle Beschäftigten haben das Recht, im Rahmen der sogenannten Wunschvorsorge eine entsprechende Abklärung vornehmen zu lassen. Diese Verordnung regelt die Pflicht des Arbeitgebers, „den Beschäftigten auf ihren Wunsch hin regelmäßig arbeitsmedizinische Vorsorge nach § 11 des Arbeitsschutzgesetzes zu ermöglichen“. Vom betriebsärztlichen Dienst wird dabei eine sogenannte Arbeitsmedizinische Bescheinigung ausgefüllt, die ohne eine Diagnose zu benennen (Schweigepflicht) über das Risiko und die Begrenzungen des Einsatzes der Beschäftigten Auskunft gibt.

    Diese Verpflichtung setzt voraus, dass hinreichend Betriebsärzte vorhanden sind, wovon insbesondere bei mittleren und kleineren Trägern häufig nicht die Rede sein kann. Darum sollte zunächst eine Wunschvorsorge beantragt werden und wenn dieser Antrag nicht oder nicht zeitnah erfüllt werden kann, auf den Hausarzt ausgewichen werden. Uns ist bekannt, dass einige Träger die Untersuchung beim Hausarzt bereits grundsätzlich empfehlen.

    Wenn festgestellt ist, dass von einem besonderen Risiko ausgegangen werden muss, dann ist der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht angehalten, die entsprechenden Beschäftigten mit Arbeiten zu betrauen, die das Risiko in der gebotenen Weise minimieren.

    Unter Umständen besteht ein Leistungsverweigerungsrecht. Dieser Schritt sollte sorgfältig geprüft werden, um Nachteile oder negative Konsequenzen zu. ver.di-Mitgliedern empfehlen wir, unbedingt gewerkschaftlichen Rechtsschutz in Anspruch zu nehmen. 

  • Warum sollte der Träger Arbeitsbekleidung zur Verfügung stellen?

    Im Bereich Kita ist die Arbeitskleidung seit Jahren ein wichtiges Thema. Es wird weder Kleidung durch die Arbeitgeber gestellt, noch ist die Kleidung oder deren Reinigung steuerlich absetzbar. Die Forderung nach Arbeitskleidung oder Kleidergeld wurde schon häufig gestellt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist diese Forderung besonders einleuchtend. Körperflüssigkeiten von Kindern können sich zum Beispiel durch Niesen oder Weinen auf eurer Kleidung befinden. Es ist derzeit nicht bekannt, wie lange der Virus auf Textilien überlebt. Wir fordern die Arbeitgeber daher auf, den Beschäftigten Arbeitskleidung zu stellen, die bei 60 Grad waschbar ist. Außerdem sollten die Träger es den Kolleg*innen ermöglichen, sich in der Kita umzuziehen und die Arbeitskleidung in der Kita zu waschen.

  • Welche Hygienemaßnahmen soll der Träger veranlassen?

    Um alle notwendigen Maßnahmen ohne Zeitverlust umsetzen zu können, sind klare Zuständigkeiten und eine gute Kommunikation erforderlich. Dazu gehört auch die Benennung eines Hygienebeauftragten, der/ die für die Aktualisierung und die Umsetzung des Hygieneplans verantwortlich ist. Die Einhaltung von Hygieneregeln setzt voraus, dass die räumlichen Bedingungen bei der Belegungsplanung berücksichtigt werden. Zudem muss ein verbindlicher Reinigungs- und Hygieneplan bestehen und die notwendigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel müssen in hinreichender Menge verfügbar sein.

  • Wie sollte die betriebliche Interessenvertretung beteiligt werden?

    Im Arbeitsschutzstandard, welchen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) am 16. April 2020 veröffentlich hat, wird auf die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung hingewiesen. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung ist die betriebliche Interessenvertretung entsprechend zu beteiligen.

    Da aktuell mit der Ansteckungsgefahr eine neue Gefährdung bzw. mit dem Infektionsschutz eine neue Herausforderung besteht, muss für jede Einrichtung eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Dabei sollte mit den Gesundheitsämtern zusammengearbeitet werden. Die Ergebnisse dieser Gefährdungsbeurteilung müssen die Grundlage für die Arbeits- und Ablauforganisation in den Einrichtungen bilden.

 

Kita-Ebene

 

  • Wie kann der Betrieb der Kita in der Einrichtung organisiert werden?

    In der Einrichtung sollte ein Krisenteam gebildet werden, welches die einrichtungsspezifischen Maßnahmen diskutiert und umsetzt. Dieses Team sollte aus Vertreter*innen des Trägers, Leitungskräften, der betrieblichen Interessenvertretung, Elternvertreter*innen und/ oder Betriebsärzt*innen (wenn vorhanden) bestehen. Alle Maßnahmen sind zu besprechen und ständig zu evaluieren. Wenn es zu Erkrankungen kommt, müssen diese Maßnahmen, gegebenenfalls in Absprache mit dem Gesundheitsamt revidieren werden.

  • Welche konkreten Maßnahmen sind für die Kita sinnvoll?

    Im Eingangsbereich der Kita sollte eine Begrüßungs- und Verabschiedungszone für Eltern eingerichtet werden, damit Eltern die Kita nicht betreten. Besucher*innen (wie z. B. Journalist*innen, Politiker*innen) sollten die Kita ebenfalls nicht mehr betreten. Anfragen können telefonisch oder per Mail beantworten werden. Das gleiche gilt für Lieferant*innen, die ihre Waren vor der Eingangstür abstellen sollten. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Vermeidung von Kontakten zwischen einzelnen Betreuungsgruppen zu treffen. 

  • Warum sind kleine Gruppen wichtig und wie lassen diese sich organisieren?

    Für den öffentlichen Raum und die Arbeitsstätten gelten Abstandsregelungen. Doch im Kontakt mit den Kindern lassen sich diese nicht einhalten und sind pädagogisch auch nicht sinnvoll. Gerade Kinder in Krisensituationen brauchen Zuwendung und Wärme. Daher ist es nur über die Begrenzung der Kontakte möglich, diesem Anspruch nahe zu kommen. Um die Gefahr der Virenübertragung in den Kindertageseinrichtungen einzudämmen, müssen die Kontaktkreise möglichst klein gehalten. Es sind also kleine Kindergruppen mit konstanten Bezugserzieher*innen einzurichten. ver.di empfiehlt die Gruppengröße zunächst auf 5 Kinder zu begrenzen und alters- und entwicklungsangemessen zu gestalten. Die Erweiterung der Gruppe sollte im Krisenstab besprochen werden und muss immer sozialpädagogisch und epidemiologisch begründbar sein. Aufgrund der Krisensituation und ihrer Erfordernisse (Hygiene, neu zusammengesetzte Gruppen, usw.) muss die Gruppengröße entsprechend angepasst werden. In einigen Bundesländern gilt das auch für die Bezugsgröße Pädagog*in/ Kind. Wenn mehrere Gruppen in einer Kita betreut werden, ist es notwendig den Kontakt zwischen den Gruppen zu unterbinden. Auch die Fachkräfte der Gruppen sollten möglichst eineinhalb Meter Abstand voneinander halten. Je besser die Gruppen voneinander getrennt sind, desto eher lassen sich Kontakte bei einer Infektion zurückverfolgen. Dann muss im Infektionsfall eventuell nicht die gesamte Einrichtung unter Quarantäne gestellt werden.

  • Können wir mit den gleichen pädagogischen Konzepten arbeiten wie bisher?

    Die pädagogischen Konzepte müssen angepasst werden. Offene oder gruppenübergreifende Arbeit ist während der Pandemie nicht möglich, um Infektionen zu vermeiden und Infektionsketten nachvollziehbar zu halten. Auch die Anpassung des pädagogischen Tagesablaufs und der pädagogischen Angebote ist nötig.

  • Kleine Kinder und Mundschutz – geht das?

    Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (Alltagsmasken) wird in den nächsten Monaten zu unserer Realität gehören. Auch in den Kindertageseinrichtungen kann dies zum Schutz aller beitragen, da hier ein enger Kontakt zwischen Kindern und Pädagog*innen besteht.

    Aus pädagogischer Sicht wird diese Thematik allerdings kontrovers diskutiert. Für Kinder ist es wichtig, zu erkennen, wem sie gegenüberstehen. Ist die Hälfte des Gesichtes bedeckt, ist die Mimik nur noch eingeschränkt wahrnehmbar. Die Emotionen des Gegenübers sind so schwer lesbar. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass Kinder beim Spielen Masken tragen und diese korrekt sitzen. Inwieweit die Beschäftigten eine Maske tragen, die – je nach Maskenart – sie selbst oder andere schützt, muss im Kita-Teams diskutiert werden. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Pädagog*innen für die Kinder erkennbar bleiben und die Kinder sich wohlfühlen.

    Ein Mund-Nasen-Schutz kann situationsbedingt zum Einsatz kommen. Etwa wenn der nötige Mindestabstand im Kontakt mit den Eltern oder im Gespräch mit den Kolleg*innen nicht eingehalten werden kann. Das gleiche gilt für intensive Pflegesituationen.

    Um Beeinträchtigungen des Sauerstoffgehaltes und der Qualität der Atemluft zu vermeiden, sollte der Mund-Nasen-Schutz nicht über sehr lange Zeit getragen werden. 

  • Welche Masken sind geeignet?

    Medizinische Masken sind derzeit nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Selbst gefertigte Alltagsmasken schützen zwar nicht davor, sich mit Covid-19 anzustecken. Es ist aber davon auszugehen, dass ein solcher Mund-Nasen-Schutz das ungehinderte Ausbreiten von Tröpfchen beim Sprechen verhindert. Für den Eigengebrauch eignen sich selbstgenähte Masken. Es sollte ein möglichst fest gewebter Stoff verwendet werden, der bei 60 Grad Celsius waschbar ist. Der Stoff sollte mehrlagig verarbeitet werden.

    Sobald sie zur Verfügung stehen, sollten Arbeitgeber für ihre Beschäftigten Mund- Nasen-Schutz-Masken bereitstellen, wie sie u.a. von Operateur*innen genutzt werden. Diese Masken bestehen aus mehreren Papier- oder Vlieslagen und sind ein Einwegprodukt. Das bedeutet, dass sie nur einmal getragen und nicht wiederverwendet werden sollten. Auch dieser Mundschutz schützt vor allem die Umgebung der Träger*innen vor dem Virus, aber nicht unbedingt die Träger*innen selbst. Diese Masken sind mindestens alle zwei Stunden zu wechseln.

  • Können wir Ausflüge machen?

    Ausflüge mit den Kindern in der näheren Umgebung zu unternehmen ist sinnvoll. Dabei sind die verordneten Kontakt- und Ausgangssperren zu beachten. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sollte dabei nicht genutzt werden, um die Kinder und die Beschäftigten keinem unnötigen Risiko auszusetzen.

  • Können kranke Kinder in die Kita kommen?

    Nein. Kranke Kinder sollten sich nicht in der Kita aufhalten. Es empfiehlt sich ein nachdrücklicher Appell an die Eltern, ihre Kinder bei den kleinsten Anzeichen einer Erkrankung zu Hause zu behalten. Kinder, die während des Kita-Aufenthaltes Krankheitssymptome entwickeln, sind sofort von ihren Eltern abzuholen.

  • Können Kinder die Kita besuchen, deren Familienangehörige an COVID-10 erkrankt sind?

    Nein. Wenn Familienangehörige an COVID-19 erkrankt sind oder sich wegen Krankheitszeichen in Quarantäne befinden, dürfen die Kinder die Kita nicht besuchen. In den Kommunen gibt es dazu von den Gesundheitsämtern erstellte Informationen, die ihr kennen und in der Einrichtung vorrätig haben solltet.

  • Was ist bei der persönlichen Hygiene zu beachten?

    Die persönliche Hygiene hat während der Pandemie eine besondere Bedeutung. Die pädagogischen Fachkräfte sind angehalten, sich regelmäßig und ausreichend lange (20 bis 30 Sekunden) die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Mindestens jedoch vor Dienstbeginn, vor und nach den Pausen, nach jeder Verschmutzung, nach der Toilettenbenutzung, nachdem Wechseln von Windeln (auch wenn Handschuhe genutzt wurden), vor der Bearbeitung von Lebensmitteln, vor dem Essen und Trinken, nach Kontakt mit kranken Kindern, vor und nach dem Verabreichen von Medikamenten. Je nach Beanspruchung ist Desinfektionsmittel zu nutzen.

    Wir empfehlen Arbeitskleidung zu tragen. Diese sollte am besten nicht mit nach Hause genommen werden, sondern in der Einrichtung gewechselt und möglichst auch dort gewaschen werden. Außerdem ist das Duschen und Haare waschen nach der Arbeit empfehlenswert.