Sozial- und Erziehungsberufe

Birgit Schütz

Birgit Schütz, 61, Diplom Sozial-Arbeiterin, Leiterin Kinder- und Jugendzentrum in der Reduit

April 2020

„In der Kinder- und Jugendarbeit ist der direkte Kontakt zu den Menschen unser wichtigstes Arbeitsinstrument. Neben der Beziehungsarbeit leisten wir dabei vor allem Unterstützung bei der Bildungsarbeit. Doch seit dem 16. März haben wir unsere Einrichtungen in Mainz-Kastel aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Das bedeutet, dass wir keinen unmittelbaren Kontakt mit den Kindern, Jugendlichen und Familien mehr haben.
Als Leiterin einer Einrichtung mit zwei Außenstellen ist es eine meiner Aufgaben, die Mitarbeiter*innen zu schützen. Bezogen auf die notwendigen Schutzmaßnahmen unterscheiden sich Beschäftigte in der Sozialen Arbeit nicht von den Lehrer*innen. Daher haben wir gleichzeitig mit den Schulschließungen auch unseren Betrieb eingestellt. In meinem Team arbeiten zudem viele ältere Menschen, die schon zur Risikogruppe gehören.

Aber natürlich halten wir auch weiter Kontakt zu den Jugendlichen und Kindern. Und zwar vor allem über die Social Media Kanäle. Auf unserem YouTube-Kanal haben wir einen Rap #wirvermisseneuch veröffentlicht, auf Instagram interaktiv Apfeltaschen gebacken, auf unserer Homepage laden wir von uns gestaltete Bastelanleitungen, Kochshows und Kinderlieder hoch und die Kolleg*innen mit Diensthandys halten Kontakt zu den Kindern, Jugendlichen und deren Familien, sie helfen ihnen bei den Hausaufgaben oder hören ihnen einfach zu. Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil von Social Media an unserer Arbeit bei etwa 20 Prozent, inzwischen ist er auf 100 Prozent gestiegen. Durch Corona bekommen wir vor Augen geführt, dass diese starke Nutzung von sozialen Medien die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen widerspiegelt. Und dass wir in der Kinder- und Jugendarbeit eine viel bessere technische Ausstattung und systematische Betreuung im digitalen Bereich brauchen. Auch nach der aktuellen Krise. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass wir über Social Media nur Beziehungen pflegen können, die wir zuvor im direkten Kontakt aufgebaut haben.

Neben technischen Schwierigkeiten sind wir derzeit vor allem mit dem Problem konfrontiert, dass die verstärkte Beziehungsarbeit über Social Media zu einer Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit führt. Eine weitere Sorge, die meine Mitarbeiter*innen stark beschäftigt, ist die Frage, wie mit Tätigkeiten verfahren wird, die eben nicht über Social Media angeboten werden können. Insbesondere die Kolleg*innen, die zur Risikogruppe gehören, haben Angst, in der aktuellen Krisensituation Minusstunden zu sammeln. Hier würde ich mir vom kommunalen Arbeitgeber klarere Signale wünschen. Bisher aber gibt es keine Aussagen, die die Situation entspannen würden.

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