Sozial- und Erziehungsberufe

Christopher Kube-Hemp, 33, Heilerziehungspfleger in der Behindertenhilfe

Christopher Kube-Hemp, 33, Heilerziehungspfleger in der Behindertenhilfe

April 2020

„Ich arbeite in einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung in der Hamburger Lebenshilfe-Werk gGmbH. Mit 20 Kolleginnen und Kollegen betreuen wir 16 schwerstmehrfachbehinderte Menschen im Wohnhaus. Derzeit auch mit vier Kolleg*innen aus unserer Tagesförderstätte, da diese infolge der Pandemie geschlossen ist. Dadurch sind die Bewohner*innen den ganzen Tag im Haus. Der Wegfall der gewohnten Struktur ist für viele extrem belastend. Manche reagieren autoaggressiv. Für uns Beschäftigte bedeutet das noch mehr Stress. Gut ist, dass die Kolleg*innen aus der Tagesförderstätte nicht etwa in Kurzarbeit geschickt wurden, sondern jetzt im Wohnhaus aushelfen. Allerdings fehlt es an Platz. Und sie müssen eingearbeitet werden und auch von hier auf jetzt in den bei ihnen sonst nicht üblichen Schichtbetrieb hinein.


Sehr problematisch ist der Mangel an Schutzausrüstung. Unsere Bewohner*innen gehören allesamt zu Risikogruppen. Wir wollen sie schützen – und uns selbst. Doch das geht nur, wenn genug hochwertige Atemschutzmasken vorhanden sind. Es fehlt selbst an alltäglichem Verbrauchsmaterial wie Feuchttüchern. Davon brauchen wir jede Menge, denn unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben einen hohen Pflegebedarf. Dass es an sowas fehlt, kann ja wohl nicht sein.

Wenn die jetzige Situation noch lange anhält, könnte es bei uns dramatisch werden. Wegen der Überlastung sind jetzt schon die ersten Kolleg*innen krank geworden. Auf längere Sicht dürften wir noch sehr viel mehr Ausfälle haben, was die Versorgung gefährden würde. Deshalb müssen die Beschäftigten so gut es geht entlastet werden. Ein Weg könnte sein, wie in den Krankenhäusern Freiwillige zu mobilisieren. Klar ist aber, dass diese auch angemessen vergütet werden müssten.

Apropos Vergütung: Ich fände es absolut angemessen, wenn die 1.500-Euro-Zulage, die ver.di für die Altenpflege erreicht hat, auch in der Behindertenhilfe gezahlt würden. Schließlich sind auch wir in dieser Krise mit enormen Belastungen konfrontiert. Insgesamt würde ich mir wünschen, dass die Behindertenhilfe mehr gesehen wird. Dieser Tage wird viel über Krankenhäuser und über die Altenpflege gesprochen – zu Recht. Doch auch wir leisten einen wichtigen Beitrag. Hier gehen alle an ihre Grenzen, um die Menschen bestmöglich zu versorgen. Das sollte von den politisch Verantwortlichen und in der Öffentlichkeit stärker anerkannt werden.“

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