Sozial- und Erziehungsberufe

Es wird weiter verhandelt

„Wir sind mehr wert“ – Warten auf den Durchbruch

18.05.2022 | Recht zäh gestaltet sich die dritte Verhandlungsrunde für die 330.000 Beschäftigten im öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst auch am dritten Tag. Noch ist kein Durchbruch in Sicht. „ver.di hat zum Thema Entlastung viele praktische Vorschläge gemacht“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Doch die Arbeitgeber seien auf keinen davon eingegangen.
Zwar erkennen sie Handlungsbedarf in Sachen Entlastung, aber eigene Vorschläge? Bislang Fehlanzeige.
 
So geht das Ringen um eine Einigung weiter. Die ver.di-Verhandlungsführung machte zwischenzeitlich nochmal klar, dass ohne echte Entlastung für die Kolleg*innen kein Abschluss denkbar sei.

"Akku leer" Kay Herschelmann "Akku leer" - Potsdam, 16.05.2022


Es geht um die Arbeitsbedingungen und finanzielle Anerkennung der Sozialarbeiter*innen, Streetworker*innen, Erzieher*innen, Kita-Beschäftigten, Beschäftigten der schulischen Ganztagsbetreuung und der Behindertenhilfe. Seit Jahren ist der Fachkräftemangel im öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst eklatant hoch, wie mehrere Rednerinnen betonten. Sie forderten „endlich ein gutes Angebot von den Arbeitgebern“ und einen „Abschluss“, sonst würden sie weiter streiken.

Einen deutlichen Vorgeschmack auf die Streikbereitschaft hatten in der Woche vor der dritten Runde 45.000 Streikende aus allen Bereichen bundesweit demonstriert.

Unsere Forderungen - Auftakt der 3. Verhandlungsrunde in Potsdam Kay Herschelmann Unsere Forderungen - Auftakt der 3. Verhandlungsrunde in Potsdam

„Ich kann nicht mehr, ich bin so wütend“, hätten viele Beschäftigte auf einer Streikveranstaltung in Gelsenkirchen betont, erläuterte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Doch die Beschäftigten hätten den Laden nicht am Laufen gehalten, um jetzt abgespeist zu werden. Für die Arbeitgeber gebe es deshalb eine klare Botschaft: Die Beschäftigten wollen jetzt Lösungen sehen und nicht auf irgendwann vertröstet werden. Sie brauchen Entlastung und Aufwertung. Vor- und Nachbereitungszeiten müssten im Dienst und nicht in der Freizeit liegen. Für Mehrbelastungen brauche es Ausgleichstage.

Ein besonderes Anliegen sei es dem ver.di-Vorsitzenden, mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu schaffen und die Tätigkeit von Frauen endlich besser zu bewerten und zu bezahlen, im Vergleich zu Berufen, die von Männern dominiert werden.

Werneke kündigte auch an, ver.di wolle nicht wochenlang streiken, um die Belastung nicht noch mehr zu vergrößern, doch komme es zu keinem wertschätzendem Ergebnis, dann würde der Arbeitskampf fortgeführt.

"Der Schlüssel passt nicht" Kay Herschelmann "Der Schlüssel passt nicht"

Postkarten und Banner

Sie ließ sich bitten, die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge. Doch die hartnäckigen Rufe ihres Namens vor dem Verhandlungshotel zahlten sich aus. Am Ende stand sie draußen und nahm einen Korb mit Unterstützungspostkarten stellvertretend für 2.000 Streetworker*innen entgegen sowie ein Banner von Unterstützer*innen einer bundesweiten Unterstützungsaktion. Auf weiteren Schildern konnte die Vertreterin der Arbeitgeber zudem lesen, was den Beschäftigten zu schaffen macht und immer mehr von ihnen aus dem Beruf treibt: „Soziale Arbeit: Come In & Burn out“, „der Schlüssel passt nicht“, „Mehr braucht Mehr – Wir haben nur zwei Hände“ und „Ende der Bescheidenheit, Erzieherinnen sind jetzt kampfbereit“.

Übergabe Postkarten Kay Herschelmann Übergabe der Unterstützerpostkarten an Karin Welge (Präsidentin VKA) am 16.05.2022

Statement von Christine Behle - Zwischenstand der Verhandlungen, 17.05.2022:



Auftakt-Statement von Frank Werneke

Start der 3. Verhandlungsrunde