Offener Brief mit 80.000 Unterschriften ist überreicht

Rund 80.000 Beschäftigte, Wissenschaftler*innen, Studierende, Azubis, Elternvertreter*innen und weitere Unterstützer*innen haben den Offenen Brief von ver.di zur Sozialen Arbeit auf zwei Plattformen unterschrieben - ein toller Erfolg!

Mit dem Offenen Brief und klaren Forderungen im Gepäck hat eine Delegation von ver.di Aktiven sich auf den Weg zum Bundesfamilienministerium gemacht. Dort wurden sie von Dr. Kirsten Wendland empfangen. Sie ist Leiterin der Projektgruppe „Aufwertung sozialer Berufe“. Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte keine Möglichkeit die Gewerkschafter*innen zu treffen.

Der Film von der Übergabe

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© Kay Herschelmann
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Praxisberichte untermauern Forderungen

„Das ist sehr schade“, findet Tanja Müller. „Mir wäre es wichtig gewesen, Frau Giffey persönlich aus meiner praktischen Arbeit zu erzählen“, so die Personalrätin eines Kita-Trägers in Berlin. Sie wisse von Kolleg*innen, die ihren Lebensunterhalt aufgrund von Corona-bedingter Kurzarbeit derzeit nicht mehr bestreiten können. Oft fehle hier die Aufstockung des Gehalts durch den Arbeitgeber. „Gleichzeitig halten die Kolleg*innen trotz Kurzarbeit den Kontakt zu ihren Klient*innen. In der Sozialen Arbeit ist das gerade in Zeiten der Krise besonders wichtig,“ sagte Tanja Müller. „Die Bundesregierung muss dringend handeln und die Re- Finanzierung in allen Bereichen der Sozialen Arbeit weiterhin sicherstellen“, forderte die Personalrätin.

Mit einem ganz anders gelagerten Problem richtete sich Dirk Kirchner an Frau Dr. Wendland. Er arbeitet bei einem Träger, der vornehmlich Wohnheime für Menschen mit Behinderungen betreibt.  „Bei uns ist die Belastung momentan sehr hoch, weil die Bewohner*innen derzeit nicht zur Arbeit gehen können. Das bedeutet, dass sie mehr Zeit im Wohnheim verbringen und damit der Bedarf an Personal deutlich steigt,“ sagte Dirk Kirchner. Doch schon vor der Corona-Krise ist der Personalmangel in der Sozialen Arbeit dramatisch gewesen. Nun spitzt sich die Situation weiter zu. Personalmangel herrscht auch im Betrieb von Tanja Müller. „Wir haben viele Kolleg*innen, die zur Risikogruppe gehören und nicht im direkten Kontakt mit dem Kind arbeiten können,“ berichtete sie. „Mit diesem Problem werden wir seitens des Arbeitgebers aber völlig allein gelassen.“

Darüber hinaus forderte Dirk Kirchner die Politik auf, klare Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten in der Sozialen Arbeit zu ergreifen. „Wir können unsere Arbeit nicht hinter Plexiglas erledigen. Wir sind im direkten Kontakt mit Menschen. Wir machen unseren Job gern, aber wir wollen dabei gesund bleiben.“

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Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle unterstreicht diese Forderung in ihrem Statement zum Offenen Brief noch einmal. „Um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten in der Sozialen Arbeit zu gewährleisten, braucht es bundesweite Regelungen, die Beschäftigten, Adressat*innen, Kindern und Eltern Sicherheit geben.  Die durch das Bundesarbeitsministerium für die gesamte Arbeitswelt formulierten Standards sind in der Sozialen Arbeit, in der es um den Dienst an und mit den Menschen geht, nicht anwendbar. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf,“ so Christine Behle. Außerdem forderte sie die Bundesregierung auf, Verantwortung zu übernehmen und die Bundesländer und Träger der Sozialen Arbeit in der Krise nicht allein zu lassen.

„Wir freuen uns, unsere Forderungen platziert zu haben, das war uns wichtig “, sind sich Tanja Müller und Dirk Kirchner einig. „Frau Wendland wird den Brief für uns weiterleiten. Und für unser digitales Podium am 07. Juli hat die Ministerin selbst zugesagt. Dort werden wir sie dann fragen, was aus unseren Forderungen geworden ist. Dann  kommen wir aber nicht mit einer kleinen Delegation, sondern mit vielen Kolleginnen und Kollegen.“

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Übergabe auch in Landesparlamenten

In den verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit werden viele Regelungen in den Landesparlamenten getroffen. Ein guter Grund, den Offenen Brief auch dort noch einmal zu adressieren. So gab es in Baden- Württemberg eine Übergabe an die Kultusministerin und die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und FDP. Die Kolleg*innen vor Ort haben ein Video von der Aktion gedreht. Hier geht es zum Video.

Auch in Hessen wurde von 15 aktiven ver.di Kolleg*innen der offene Brief an die Staatssekretärin im Sozialministerium, Anne Janz, an die sozialpolitischen Sprecher*innen und die Fraktionsvorsitzenden der Landtagsparteien CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Die Linke und die FDP übergeben. Mehr Fotos dazu findet ihr hier und hier gibt es einen Film zur Aktion.

In Hamburg haben sich aktive ver.di Kolleg*innen mit dem offenen Brief im Gepäck auf den Weg zu Dr. Bange, dem Abteilungsleiter Familie und Kindertagesbetreuung in der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration gemacht und ihm den Umschlag übergeben. Hier findet ihr einen Film der Aktion!

Übergabe Hessen (1)
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Übergabe Hessen (2)
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Übergabe Hamburg
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